Foto: Marcus Dittberner
Foto: Marcus Dittberner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heike Roesner, 1959 als Heike Rittendorf in Düsseldorf-Kaiserswerth geboren, absolviert nach dem Abitur am dortigen Suitbertus-Gymnasium zunächst eine Ausbildung zur Übersetzerin für Englisch und arbeitet fünf Jahre als Fremdsprachenkorrespondentin bei einer renommierten amerikanischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Düsseldorf. Von 1980 bis 1985 studiert sie an der Gesamthochschule Duisburg Kunst und Musik. Da ihre Begabungen und Liebe zur bildenden Kunst wie zur Musik gleichermaßen stark ausgeprägt sind, entwickelt sie ihre künstlerische Kreativität parallel in beiden Bereichen und bezieht aus ihnen wechselseitige Impulse.

 

Auf dem angestrebten Weg zur Berufskünstlerin rivalisieren zuweilen aber nicht nur Musik und Malerein miteinander, es erweisen sich auch unterschiedlich lange Unterbrechungen der künstlerischen Arbeit durch Jobs zur Existenzsicherung als erforderlich. So folgen erste Beteiligungen an Ausstellungen ab 1985 und zielgerichteten Besuchen in wichtigen Museen der Welt Tätigkeiten in einer PR-Agentur in Düsseldorf.

 

Das Jahr 1988 ist eine Zäsur in ihrem Leben. Nach einer Exkursion durch Museen, Galerien und Ateliers in New York fühlt sie sich bestärkt, ihrer künstlerischen Arbeit das Primat zu geben. Es folgt der Umzug nach Berlin. Als kurz darauf die Mauer fällt, zieht sie in den Ostteil der Stadt und wird Teil der explodierenden freien Kunstszene in der wieder vereinten Metropole. Sie wirkt in verschiedenen Bands mit, spielt Saxophon und arbeitet als Sängerin. In dieser Zeit bezieht sie auch ihr erstes eigenes Atelier, in dem sie vorwiegend malt. 

 

Was 1992 erneut als kurze Unterbrechung der Kunstarbeit geplant ist, entwickelt sich zu einer drei Jahre währenden Aufbauarbeit einer PR-Agentur in Bonn, Bad-Godesberg, wofür sie Berlin verlässt. Als sie 1994 nach Berlin zurück kehrt, wendet sie sich vor allem Musikprojekten zu, wie der Gründung der Künstlerinnen-Agentur "New Sister's Act" und der Ausrichtung der "Female RAP-Attack", dem ersten RAP-Festival mit ausschließlich weiblichen Rapperinnen im YAAM-Club. Sie initiiert einen Chor und gründet ein Gesangsquartett, das sich dem Improvisationsgesang verschreibt.

 

Erst als sie 1997 an der Musikschule Wedding als "Dozentin für ungewöhnlichen Gesang" eine Honorartätigkeit aufnimmt, malt sie wieder regelmäßig, vorwiegend auf Bildträgern aus Papier. In dieser Zeit entdeckt sie für sich die Schönheit des Materials Papier und beginnt in den Techniken Collage und Papierkaché zu experimentieren. Sie ist fasziniert von der Möglichkeit mit dem Papier "malen" zu können und gleichzeitig damit dreidimensionale Gebilde zu formen. Es entstehen erste unikate Arbeiten auf und aus Papier: Objekte, Bildcollagen und Skulpturen.

 

2001 begründet sie die ROESNEREI, ihre eigene Werkstatt nebst Laden und Galerie, die sie bis 2005 in der Barbarossastraße in Berlin-Schöneberg betreibt. Den assoziativen Titel leitet sie aus ihrem inzwischen veränderten Nachnamen Roesner ab, den sie seit ihrer Heirat im Jahr 2000 trägt. Den Zeiten kurzer Unterbrechungen als Eventmanagerin in einer PR-Agentur, in denen die Atelierarbeit nur sporadisch gelingt, folgt ein letzter intensiver Ausflug in die Musikwelt. Es bietet sich ihr die Chance, neben ihrer freischaffenden bildnerischen Tätigkeit für einen der international bedeutendsten lebenden Komponisten neuer Musik, den estnischen Komponisten Arvo Pärt zu arbeiten. Von seinem Exilort Berlin aus setzt der Ausnahmemusiker seine beispielhafte internationale Karriere fort, und Heike Roesner wird in den Jahren 2003 bis 2010 seine Assistentin.

 

Seit 2012 arbeitet sie ausschließlich freiberuflich als bildende Künstlerin. Sie beteiligt sich regelmäßig an Ausstellungen im In- und Ausland, an Messen und verschiedenen Künstlerwettbewerben. Heike Roesner ist Mitglied im Bundesverband für Kunsthandwerk und Design und in dessen Jury aktiv. 

 

Dr. Bärbel Mann, Kunstwissenschaftlerin (Auszug aus der Rede zur Vernissage anlässlich der Einweihung des Ateliers in Berlin-Friedenau vom 1. März 2012)